Wie versprochen, erzähl ich jetzt ein bisschen was zur Entstehung meines Jutebeutel-Kuchens.
Ich hatte mich ja für die Kategorie "Freestyle" beworben, thematisch gab es dort keinerlei Vorgaben, allerdings musste das Schaustück wirklich zu mindestens 75% aus Kuchen bestehen und durfte keinerlei nicht-essbare Teile enthalten, also z.B. auch keine internen Stützen. Da muss man sich dann natürlich erstmal überlegen, was technisch so geht. Insbesondere sollte man so vorrausschauend planen, dass man beim Transport des Kuchens über 150 km im Kofferraum keinen Herzinfarkt bekommt, weil die Statik vielleicht etwas instabil sein könnte.
Ich hatte ja zum Glück meinen Geistesblitz, dass es ein Jutebeutel mit Gemüse werden sollte, statisch sollten da also keine Probleme auftauchen, und genauso hat es sich dann auch bewahrheitet!
Ich wollte, dass der Kuchen so aussieht, als ob man gerade erst vom Einkaufen nach Hause kommt und den prall gefüllten Beutel auf den Tisch stellt. Ich hab lange hin und her überlegt, was denn dann oben rausblitzen soll. Obst, Gemüse, Milchkartons, Baguette.... es gibt ja so viele Möglichkeiten. Im Endeffekt habe ich mich dann für Gemüse entschieden, weil es so viele tolle unterschiedliche Gemüsesorten gibt, die man wunderbar nachmachen kann. Und außerdem hatte ich noch nie irgendwo richtig "lebensechtes" Gemüse aus Zucker gesehen, Obst hingegen schon häufiger.
Das tolle daran war, dass ich die Gemüsedeko schon Wochen vorher vorbereiten konnte. Hergestellt habe ich sie aus Modellierfondant, das ist normaler Fondant in den man CMC einknetet, und der dadurch deutlich fester aushärtet und filigraner verarbeitet werden kann. Das Grün an den Tomaten und die Artischocke sind aus Blütenpaste, dazu später mehr!

Mit dem Ende eines feinen Pinsels habe ich dann noch 5 leichte Kerben, vom Zahnstocher aus beginnend in die Tomaten gedrückt, damit sie etwas lebensechter wirken. Mein Tipp: Kauft euch Tomaten und schaut sie euch ganz genau an, es ist viel einfacher, nach einem richtigen Modell zu arbeiten, als aus dem Kopf. Außerdem ist Gemüse gesund!
Kopfüber können die Tomaten so erstmal trocknen, dazu habe ich die Zahnstocher in einen Tortendummie aus Styropor gesteckt.



Auf gehts zum Maiskolben. Um eins vorweg zu sagen, das Ding hat mich vier Stunden gekostet! Aber es hat auch fast was meditatives immer wieder kleine Kügelchen zu rollen, flachzudrücken, abzuschneiden und aufzukleben. Immer und immer und immer wieder....

Ich habe drei verschiedene Gelbtöne verwendet, der größte Teil der Körner ist aber aus dem dunkelsten gelb, erst nach oben hin bin ich etwas heller und auch kleiner geworden.
Als Untergrund habe ich einfach eine Rolle aus Modellierfondant mit ca. 3 cm Durchmesser auf einen Zahnstocher gesteckt und einige Tage durchtrocknen lassen. Der Zahnstocher ist später zum Anfassen enorm praktisch, wer jemals einen Maiskolben abgenagt hat, wird wissen was ich meine!



Zu den Möhren gibt es nicht viel zu sagen. Kleine Rollen aus orangenem MF formen, auf Zahnstocher

Die Kartoffeln sind auch keine Zauberei, aber auch hier gilt: eine echte Kartoffel als Vorlage nehmen! Erstmal wollte ich ein paar Kartoffeln zur Probe machen, um zu sehen, ob mir das Ergebnis hinterher auch wirklich gefällt. Ich habe also erst eine kleine Menge Modellierfondant braun-gräulich eingefärbt und drei kleine Kartoffeln daraus geformt und auf einen Zahnstocher gesteckt. Die Kartoffeln dürfen nicht gleichmäßig und rund bzw. oval werden, denn so sehen echte Kartoffeln nicht aus! Lieber mal hier ne Delle reindrücken und da mit einem Zahnstocher ein kleines Loch reinpieksen... Das wirkt deutlich echter!

Als ich bei der Tortenshow dann meine zuständige Jurorin Silvia Zenz nach Feedback gefragt habe, war das Erste was sie sagte, dass ihr die Kartoffeln besonders gefallen hätten ;-) Das freut einen natürlich besonders.
Als ich die Artischocke gemacht habe, hab ich`s leider verschwitzt, viele Fotos zwischendurch zu machen. Aber ich versuche trotzdem mal zu erklären, wie ich die gemacht habe:
Hier ist es besonders ratsam, sich eine echte Artischocke als Vorlage anzuschauen. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber aus dem Stegreif habe ich nicht gewusst, wie so ein Ding im Detail aussieht (Ich kauf sonst immer nur die eingelegten!)
Zuallererst habe ich mir eine Grundform aus Fondant gemacht und einige Tage trocknen lassen. Das ist diese unförmige weiße Ding, das da auf meinem chaotischen Küchentisch liegt. Parallel macht man sich am besten schon ein paar Blätter. Dafür habe ich dünn ausgerollte Blütenpaste in grün mit kleinen Kreisaustechern ausgestochen und mit dem Skalpell in Form geschnitten. Schaut euch unbedingt eine echte Artischocke dazu an, ich kann das hier nur schwer erklären... die Struktur habe ich wieder mit einem Zahnstocher eingeprägt. Da die Blütenpaste von Squires Kitchen bei mir ja leider scheinbar nicht fest genug wird, habe ich die einzelnen Blätter auch einige Tage trocknen lassen. Dafür habe ich mir aus Alufolie und Eierkartons eine kleine Form gebastelt. In jede Mulde kann man ein Blatt legen, das so in etwas gebogener Form trocknen kann!

Wenn sowohl die Grundform, als auch die Blätter getrocknet sind, kann man sie zusammensetzen. Ich habe auch hier wieder mit in Wasser aufgelöstem CMC gearbeitet. Zum Fixieren zwischendurch sind Gummibänder toll. Mit Stückchen von Küchenrolle kann man die (schon wieder weich gewordenen) Blätter etwas abstützen. Auch hier kommt natürlich erst richtig Leben rein, wenn man die Blätter mit in Alkohol aufgelöster Puderfarbe anmalt.
Als ich die Artischocke gemacht habe, hab ich`s leider verschwitzt, viele Fotos zwischendurch zu machen. Aber ich versuche trotzdem mal zu erklären, wie ich die gemacht habe:




Fehlt noch der Knoblauch! Und ich kann jetzt schon behaupten, dass mir da ein ganz toller Special-Effect quasi so zugeflogen ist... aus Versehen!
Aus weißem Modellierfondant habe ich mir eine knoblauchknollenähnliche Form gebastelt, in die ich tiefe Rillen gezogen habe, z.B. geht das auch mal wieder gut mit einem Zahnstocher! Diese Furchen hab ich mit grauer, in Alkohol gelöster Puderfarbe nachgezogen und trocknen lassen. Dann rollt man ein Stück weiße Blütenpaste ganz, ganz dünn aus und legt sie wie eine zweite Haut über die Knolle. In der Mitte kann ma die Paste etwas hochtüdeln, damit das wie der Stiel aussieht. Und jetzt kommt der Clou:
Zuerst mit einem Zahnstocher rundherum senkrechte feine Rille eindrücken und dann alles dick mit Puderfarbe in hellgrau und flieder einpudern. Das sieht jetzt wirklich blöd aus, aber das wird noch. Nimmt man jetzt nämlich ein Stück Küchenrolle, taucht es in Vodka und reibt vorsichtig über die einzelnen Zehen der Knolle, löst sich die meiste Puderfarbe wieder und nur die feinen Rillen und tieferen Furchen sind durch das Puder noch betont. Sieht aus wie echt!
Das eigentliche Innenleben des Beutels besteht aus sehr langweiligem Kuchen, mit dessen Rezept ich niemanden langweilen oder abschrecken möchte. Geschmacklich ist das keine Offenbarung, zum Schnitzen ist er aber toll. Gebacken habe ich insgesamt 3 Kuchen mit jeweils 26 cm Durchmesser. Zusammengesetzt habe ich sie mit weiße Schokoladenganache. Das war mir sicherer, als mit Buttercreme zu arbeiten, Ganache ist deutlich stabiler.

Worüber ich mir anfangs wenig Gedanken gemacht hatte, war das Schnitzen an sich. Ich fand das dann doch schwieriger, als ich mir das so vorgestellt hatte. Von wegen, ich schnitz einfach alles weg, was nicht nach Beutel aussieht! So einfach ist das nicht ;-)
Man muss schon etwas mutig sein und darf nicht zu wenig wegschneiden. Konturen, Beulen und Falten müssen auch unter einer dicken Ganacheschicht und Fondant noch sichtbar sein.
Am besten nimmt man dazu ein kleines Messer mit Sägeschliff und schneidet immer nur wenig auf einmal weg und keine dicken Brocken. Meine Lieblingsmusik dazu war übrigens "Rage against the machine", ein toller Soundtrack um die ganze Küche total einzusauen!
Die ganzen Krümel und Brösel, die dabei angefallen sind, habe ich übrigens eingefroren, und werde sie demnächst mal zu einer Masse an Cakepops verarbeiten, ist ja viel zu schade, das alles wegzuschmeißen!
Ich finde, jetzt sieht der Kuchen aus wie ein Gesicht mit einer dicken Nase :-D
Ich habe insgesamt zwei Schichten Ganache aufgetragen. Das Foto zeigt den Kuchen, bevor ich mit einem heißen Messer nochmal rübergegangen bin, um die letzten Unebenheiten zu glätten. Ist die Ganache dann fest, kann man den Fondant draufmachen. Ich habe, ähnlich wie bei einem Originalbeutel, jeweils eine Platte von vorne, als auch von hinten aufgebracht und die Nähte mit einem Skalpell vorsichtig zusammengefügt.
Auf die vordere Platte hatte ich vorher noch meinen Schriftzug übertragen. Dafür habe ich den Deckel eines ordinären durchsichtigen Schnellhefters genommen und ihn auf die spiegelverkehrte Schrift meiner Vorlage gelegt. Die Konturen habe ich mit einem Lebensmittelstift einfach auf dem durchsichtigen Plastik nachgefahren. Die so abgepauste Schrift kann man dann ganz einfach auf die gewünschte Stelle auf dem Fondant abdrücken. Schon hat man die gewünschten Konturen. Ausgemalt habe ich die Kontueren später mit einer Mischung aus Bronze und schwarzer Pastenfarbe, die ich mit Alkohol verdünnt habe.
Bei meinem ersten Versuch des Eindeckens, hat alles wunderbar funktioniert, als ich dann aber noch etwas Struktur und Tiefe mit Puderfarbe aufbringen wollte, sah das absolut grauenhaft aus! Ich hätte den Fondant erstmal trocknen lassen sollen, alles war total fleckig! Zum Glück gibt es davon keine Fotos. Also alles runtergepult und nochmal. Der zweite Versuch hat dann irgendwann auch geklappt, ich habe oben noch einen Rand und die Träger angebracht und den Kuchen dann erstmal trocknen lassen! Nee, vorher hab ich natürlich noch die Nähte eingeprägt, mit meinem Kopierrädchen aus dem Nähladen.
Am nächsten Tag hab ich dann das fertige Gemüse mit Royal-Icing in die Öffnung des Beutels drapiert und mit etwas weißer Farbe und einem Schwamm noch die Beulen des Beutels etwas betont.
Zu guter letzt gibt es jetzt noch ein paar Close-Up-Fotos, und dann soll es das auch gewesen sein! Ich freue mich immernoch wie ein Schneekönig über die Auszeichnung und bin aber auch gleichzeitig froh, dass das vorbei ist. Ich war vor der Tortenshow mindestens so aufgeregt wie vor meiner Abiturprüfung.
Aus weißem Modellierfondant habe ich mir eine knoblauchknollenähnliche Form gebastelt, in die ich tiefe Rillen gezogen habe, z.B. geht das auch mal wieder gut mit einem Zahnstocher! Diese Furchen hab ich mit grauer, in Alkohol gelöster Puderfarbe nachgezogen und trocknen lassen. Dann rollt man ein Stück weiße Blütenpaste ganz, ganz dünn aus und legt sie wie eine zweite Haut über die Knolle. In der Mitte kann ma die Paste etwas hochtüdeln, damit das wie der Stiel aussieht. Und jetzt kommt der Clou:

Das eigentliche Innenleben des Beutels besteht aus sehr langweiligem Kuchen, mit dessen Rezept ich niemanden langweilen oder abschrecken möchte. Geschmacklich ist das keine Offenbarung, zum Schnitzen ist er aber toll. Gebacken habe ich insgesamt 3 Kuchen mit jeweils 26 cm Durchmesser. Zusammengesetzt habe ich sie mit weiße Schokoladenganache. Das war mir sicherer, als mit Buttercreme zu arbeiten, Ganache ist deutlich stabiler.


Man muss schon etwas mutig sein und darf nicht zu wenig wegschneiden. Konturen, Beulen und Falten müssen auch unter einer dicken Ganacheschicht und Fondant noch sichtbar sein.

Die ganzen Krümel und Brösel, die dabei angefallen sind, habe ich übrigens eingefroren, und werde sie demnächst mal zu einer Masse an Cakepops verarbeiten, ist ja viel zu schade, das alles wegzuschmeißen!
Ich finde, jetzt sieht der Kuchen aus wie ein Gesicht mit einer dicken Nase :-D

Auf die vordere Platte hatte ich vorher noch meinen Schriftzug übertragen. Dafür habe ich den Deckel eines ordinären durchsichtigen Schnellhefters genommen und ihn auf die spiegelverkehrte Schrift meiner Vorlage gelegt. Die Konturen habe ich mit einem Lebensmittelstift einfach auf dem durchsichtigen Plastik nachgefahren. Die so abgepauste Schrift kann man dann ganz einfach auf die gewünschte Stelle auf dem Fondant abdrücken. Schon hat man die gewünschten Konturen. Ausgemalt habe ich die Kontueren später mit einer Mischung aus Bronze und schwarzer Pastenfarbe, die ich mit Alkohol verdünnt habe.
Bei meinem ersten Versuch des Eindeckens, hat alles wunderbar funktioniert, als ich dann aber noch etwas Struktur und Tiefe mit Puderfarbe aufbringen wollte, sah das absolut grauenhaft aus! Ich hätte den Fondant erstmal trocknen lassen sollen, alles war total fleckig! Zum Glück gibt es davon keine Fotos. Also alles runtergepult und nochmal. Der zweite Versuch hat dann irgendwann auch geklappt, ich habe oben noch einen Rand und die Träger angebracht und den Kuchen dann erstmal trocknen lassen! Nee, vorher hab ich natürlich noch die Nähte eingeprägt, mit meinem Kopierrädchen aus dem Nähladen.
Am nächsten Tag hab ich dann das fertige Gemüse mit Royal-Icing in die Öffnung des Beutels drapiert und mit etwas weißer Farbe und einem Schwamm noch die Beulen des Beutels etwas betont.
Zu guter letzt gibt es jetzt noch ein paar Close-Up-Fotos, und dann soll es das auch gewesen sein! Ich freue mich immernoch wie ein Schneekönig über die Auszeichnung und bin aber auch gleichzeitig froh, dass das vorbei ist. Ich war vor der Tortenshow mindestens so aufgeregt wie vor meiner Abiturprüfung.
Eins ist aber sicher! Bei der nächsten Tortenshow bin ich wieder dabei! :-D
Sarah